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Chanukka – Wunder des Lichts

von Brigitte B. Nussbächer

Die Geschichte von Licht in der Dunkelheit,
von dem Triumph einer Minderheit und von Wundern gegen jede Wahrscheinlichkeit.

Davidstern grün
Chanukkia vor Klagemauer

Rund 300 Jahre nach der Niederschrift des letzten Buchs des Tanachs, des Alten Testaments, erfüllten sich die Ereignisse, die der Prophet Daniel vorausgesagt hatte. (Daniel, Kapitel 8 und 11)
Nach dem Tod Alexanders des Großen zerbrach sein Weltreich in mehrere Staaten, die von seinen ehemaligen Feldherren und Söhnen geführt wurden. Einer davon war das Seleukidenreich, und unter dessen Herrschaft fiel Judäa im Jahre 200 v. Chr. Der seleukidische König Antiochos IV, brachte sowohl die Kultur als auch den Kult der Griechen zu den Hebräern.
Teile der jüdischen Elite nahmen die griechische (hellenistische) Lebensweise an und entfernten sich immer mehr von dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.
Auch der damalige Hohepriester Onias III, wurde von seinem Bruder, Jason, ersetzt, der sich mit dem hellenistischen Lebensstil identifizierte. Um dieses Amt zu erhalten, hatte Jason König Antiochos eine Erhöhung der jährlichen Tribute zugesagt.
Doch danach erkaufte sich ein anderer hellenisierter Jude, namens Menelaos, der nicht zum Hohepriestergeschlecht der Oniaden gehörte, 172 v. Chr., das Hohepriesteramt ebenfalls. Als Gegenleistung erlaubte er Antiochos den Jerusalemer Tempelschatz durch seine Amtsträger zu plündern.   
Es kam zum Bürgerkrieg zwischen Jasons und Menelaos’ Anhängern - der schließlich von König Antiochos mit der Eroberung Jerusalems beendet wurde.

 

Kurz danach verbot Antiochos den Juden die Ausübung ihres Glaubens. Die Beschneidung und das Feiern jüdischer Feste wurden unter Todesstrafe gestellt.

Um seine Dominanz allen sichtbar zu machen und um die Juden endgültig in die Knie zu zwingen, entweihte Antiochos auch das Allerheiligste der Juden, den Tempel in Jerusalem – jenen Ort, von dem Gott gesagt hatte: „ich habe meinen Namen für immer dorthin gelegt. Meine Augen und mein Herz werden immer dort sein“ (1. Könige 9,3).
Er wandelte ihn in ein Heiligtum für Zeus um und opferte dem griechischen Gott - genau hier - Schweine, ein Tier, das für Juden aufgrund von Anweisungen der Tora unrein ist.
Zusätzlich forderte er als Zeichen der Loyalität auch Opfer für die Königsfamilie selbst.
Damit überschritt er jedoch eine rote Linie.

 

Als der jüdische Priester, Mattatias, ein gottestreuer Aristokrat aus dem Geschlecht der Hasmonäer, zum Opfer für Antiochos aufgefordert wurde, erschlug er den Boten. Seine Tat markierte den offenen Bruch mit den Seleukiden. Danach zog er sich mit seinen Söhnen und einigen Getreuen zurück und baute eine Untergrundarmee auf. Sehr bald erfolgte ein hoher Zulauf Freiwilliger aus verschiedenen Landesteilen.

 

Im Folgejahr verstarb Mattatias und sein ältester Sohn Judas - mit Beinamen Makkabäus, der Hammer, - übernahm die militärische Führung im mehrjährigen Kampf gegen die Besatzer. Mit Guerilla Taktiken und weil er seine Feinde immer wieder überraschte - zum Beispiel dadurch, dass er auch am Schabbat kämpfte - gelang es ihm, die Armeen der Seleukiden zu schlagen und schließlich auch Jerusalem zu befreien.
Eine schwache Minderheit hatte im Kampf um religiöse Autonomie den Sieg errungen! Was für ein Triumpf! Oder - was für ein Wunder?

Dunkle Zeiten

Eine neue Ära

Als erstes sollte der Tempel wieder eingeweiht werden. Er wurde gereinigt und alle heidnischen Symbole und Götzenbilder entfernt.

Es gab allerdings ein Problem. Die Menora, der siebenarmige Leuchter im Tempel, sollte niemals erlöschen. Aber die Seleukiden hatten (fast) alle Öle verunreinigt. Nach den Kämpfen war nur ein einziger Krug zu finden, der noch mit dem Siegel des Hohepriesters verschlossen war. Das geweihte Öl würde für maximal einen Tag reichen ...

Dennoch entzündeten sie den Leuchter und wundersamerweise brannte er nicht nur vierundzwanzig Stunden, sondern acht ganze Tage lang – so lange bis neues, koscheres Öl hergestellt war.

Tempel Jerusalem

Wie damals, als Salomon den Tempel einweihte, zeigte Gott auch jetzt bei der Chanukkat habajit, der Wiedereinweihung im Jahre 164 v. Chr., dass er – gemäß seinem Versprechen – hier immer noch gegenwärtig war und Unmögliches möglich machte.

Das Lichtwunder hatte zwei Dimensionen: einmal das Öl, das so lange brannte; aber das eben so große Wunder war das Ende der spirituellen Dunkelheit im Land, als die Juden sich ihrem Gott zuwandten und er ihnen Freiheit und Unabhängigkeit schenkte.
Der traditionelle jüdische Tempeldienst wurde wieder eingeführt und es begann eine neue Ära: Gott hatte seinem Volk das zweite Mal die Herrschaft über ihr Land gegeben.

Chanukkia-Öl-Leuchter

Das erste jüdische Reich unter David und Salomon hatte rund achtzig Jahre Bestand und war im Jahr 926 v. Chr. nach Salomos Tod zerfallen. Rund achthundert Jahre später hatten nun die Makkabäer das zweite Mal einen souveränen jüdischen Staat erkämpft. Sie gründeten das königliche und hohepriesterliche Geschlecht der Hasmonäer und konnten die Unabhängigkeit für knappe einhundert Jahre bewahren.

Zerstörung und Hoffnung

Doch dann kam es erneut zum Bürgerkrieg, diesmal zwischen den hasmonäischen Brüdern Hyrkanos und Aristobulos, die um Hohepriesterwürde und Königtum stritten – und schließlich 63 v. Chr. beides, sowie die Unabhängigkeit, an den römischen Feldherrn Pompeius verloren.


Im Jahr 66 begannen die jüdischen Zeloten in Judäa einen Aufstand gegen die römische Besatzung und konnten einige Anfangserfolge erzielen. Aber auch jetzt standen sich zwei Lager gegenüber: die, die kämpfen wollten und die Gemäßigten um den Hohepriester, die auf Verhandlungen mit den Römern setzten. Statt sich auf die Feinde zu konzentrieren, bekriegten die jüdischen Parteien sich gegenseitig. So stürmten die Römer Jerusalem und im Jahre 70 wurde der Tempel endgültig zerstört.


In den darauffolgenden zahlreichen Auswanderungswellen, der so genannten jüdischen Diaspora, wurden die Juden über die ganze Welt verstreut. Ihre Riten und Bräuche nahmen sie mit und so begannen in der Fremde bald erste Chanukkafeiern.

Während des achttägigen Festes wurde in jüdischen Häusern und Synagogen jeden Abend eine neue Kerze am Chanukka-Leuchter entzündet, mit Hilfe der neunten Kerze, dem „Schamasch", Diener. Die Chanukkaleuchter wurden ins Fenster oder vor die Haustüren gestellt, um gesehen zu werden und an das Wunder zu erinnern.

Von Sonnenuntergang bis Mitternacht, solange die Lichter brannten, wurde in den Häusern gesungen, gespielt und es gab besondere Speisen, die in Öl gebacken wurden. Besondere Bedeutung hatte dabei das Spiel mit dem Dreidel (Kreisel).

Die Buchstaben auf den 4 Seiten des Kreisels stehen für den Spruch: Nes Gadol haja Scham – Ein großes Wunder geschah dort!

 

Chanukka wurde zum heimatlichen Lichtbringer und Hoffnungsträger. Mit den Segensworten: „Gelobt seist du, Herr unser Gott, König der Welt, der vollbracht hat Wundertaten an unseren Vätern in jenen Tagen - und zu dieser Zeit“ wurde der Zuversicht Ausdruck gegeben, dass dieses nicht das Ende sei … Jahrhunderte lang.
Und diese Hoffnung war so stark, dass sie die fast zweitausend Jahre in der Fremde, den Hass, die Verfolgung, die Pogrome und schließlich den furchtbaren Holocaust überdauerte.

Chanukka-Feier Familienfeier Israel

Während der Unterdrückung durch die Seleukiden, war dies Spiel als Tarnung eingesetzt worden, um zu verbergen, dass in Wahrheit die verbotene Tora studiert wurde.

Das dritte Mal

1948, nur drei Jahre nach dem Holocaust, erlebten die Juden ein weiteres, nationales Wunder: die Gründung des Staates Israel. Menschlich gesehen war dieses der unwahrscheinlichste Zeitpunkt. Das jüdische Volk war nur noch ein glimmender Docht im Sturm. Doch nach all den Jahrhunderten des scheinbar vergeblichen Kampfes um ein eigenes Land und nach der Vernichtung von sechs Millionen Juden, bekamen die Überlebenden diese unwahrscheinliche Chance.

Ben Gurion rief den jüdischen Staat aus und tatsächlich gelang es den Israelis sich - wider jede Wahrscheinlichkeit und trotz einer Unterlegenheit von 1:246 - gegen die fünf arabischen Armeen, die keine vierundzwanzig Stunden später angriffen, zu behaupten.

So entstand das dritte Mal in der jüdischen Geschichte ein souveräner, unabhängiger Staat.
Die Jahrhunderte alte Hoffnung, wieder als freies, unabhängiges Volk im Land Israel zu leben, von der die israelische Nationalhymne Hatikva erzählt, erfüllte sich.

„Solange noch im Herzen eine jüdische Seele wohnt
und nach Osten hin, vorwärts, ein Auge nach Zion blickt,
solange ist unsere Hoffnung nicht verloren, die Hoffnung, zweitausend Jahre alt,
zu sein ein freies Volk, in unserem Land, im Lande Zion und in Jerusalem!“

​​

Unabhängigkeitserlärung 1948 in der Independence Hall Tel Aviv
Habima Platz Tel Aviv

Danach begann das Licht Israels immer heller zu strahlen. Dort wo sich früher Sümpfe, Sanddünen und wüstes Land befanden, haben Pioniergeist und Durchhaltevermögen blühendes Leben entstehen lassen. Städte, Moschavim und Kibbutzim voll sprudelnder Lebensfreude, Innovationskraft, Kreativität sowie Sinn für Kunst und Schönheit, in denen die Senioren den Lebensabend genießen und die Plätze voll spielender Kinder sind.

Von allen Enden der Erde kamen Zigtausende in ihre ursprüngliche Heimat zurück. Überall konnte man sehen, wie sich biblische Verheißungen erfüllten (zum Beispiel Hesekiel 36, 35; Zacharia 8, 5; Jesaja 43, 5-7).

Aus dem bettelarmen Agrarstaat wurde ein Land mit führender Technologie und einer starken Währung. Trotz ständiger Bedrohungen, Terror und trotz wiederholter Angriffe durch die arabischen Nachbarnationen, gelang es Israel sich überzeugend zu behaupten. 2018, zu seinem 70. Jubiläum gehörte Israel zu den 10 einflussreichsten Ländern der Welt und lag auch im Happiness Ranking vorne.

Doch die Nachkommen der Gründergenerationen schienen sich nicht mehr so bewusst zu sein, wie ihre Vorväter, dass die Existenz ihres Landes ein Wunder war. Fremde Einflüsse faszinierten viele.

Und langsam, aber unaufhaltsam, driftete die israelische Bevölkerung auseinander. Hier die säkularen Liberalen, dort die ultraorthodoxen Juden. Die einen, die Israel mit den Arabern teilen wollten und die anderen, die versuchten, neue jüdische Siedlungen in Judäa und Samaria zu gründen. Die mit einer internationalen und die mit einer nationalen Ausrichtung.

Die Linken und die Rechten, die Fortschrittlichen und die Konservativen. Seit April 2019 gab es in 4 Jahren 4 Parlamentswahlen. Die Koalitionen zerbrachen an Uneinigkeit. Proteste, die sich vordergründig gegen eine geplante Justizreform, aber letztendlich gegen die Regierung selber bildeten, erschütterten Israel und legten 2023 teilweise das halbe Land lahm.

Demonstrationen gegen die Justizreform Israel
Gräber von Opfern des Schwarzen Schabbat

Und wie vor mehr als zweitausend Jahren witterten Israels Feinde angesichts dieser internen Zwistigkeiten ihre Chance und schlugen am 7. Oktober 2023 zu. Seit den Massenmorden des Holocausts sind nicht mehr so viele Juden an einem Tag getötet worden. Und selten ist in der Weltgeschichte ein Massaker mit so viel Bestialität durchgeführt worden.

Alte, Junge, Männer, Frauen, Kinder. Von der Hamas misshandelt, verstümmelt, vergewaltigt, verbrannt, gefoltert, entführt.

Wochen später konnten noch nicht alle der zerstückelten, verkohlten Leichen gefunden und identifiziert werden.

Wochen später befanden sich immer noch mehr als 200 israelische Geiseln in der Gewalt der Hamas Terroristen.

Wochen später hat Israel unter enormem internationalen Druck einer Feuerpause zugestimmt, während der sich die Hamas wieder neu eindecken und aufstellen konnte, um einige der israelischen Geiseln frei zu bekommen. Der extreme Preis dafür war, dass die dreifache Anzahl an inhaftierten, palästinensischen Verbrechern freigelassen werden mussten.

Weltweit stellten Hunderttausende Araber ihre Macht in Demonstrationen zur Schau, bei denen zur Vernichtung von Israel und der Juden aufgerufen wurde.

Nach 75 Jahren Existenz führt Israel wieder einmal einen schweren Kampf – gegen die Hamas, die Hisbollah, und den Iran, der dahintersteht. Viele weitere Staaten stärken Israels Feinden den Rücken.

Israels offizielle „Freunde“ fordern, dass Israel die Kämpfe einstellt, was im Klartext bedeutet, die Terrororganisation Hamas bestehen zu lassen … und mit der Gefahr eines neuen Massakers zu leben.

Doch inmitten all dieser Dunkelheit entstand aus Schmerz, Verzweiflung und Trauer auch eine neue Einheit im israelischen Volk. Zwistigkeiten wurden beiseitegelegt. Von allen Enden der Welt kamen Juden aus dem Ausland in ihre Heimat zurück, um sie zu verteidigen. Viele orthodoxe Juden, die bislang den Militärdienst verweigert hatten, traten freiwillig in die Armee ein. Liberale Juden, denen ihre jüdische Identität bislang nicht so wichtig gewesen war, verstanden jetzt die Bedeutung ihrer Zugehörigkeit zu Gottes Volk besser. Und inmitten einer feindlich gesinnten Mehrheit in der Welt erkennen viele, dass Gott ihr einziger wahrer Verbündeter ist.
Soldaten, Zivilisten, Menschen aller Alters- Bildungs- und Herkunftsklassen suchen Gott und hoffen auf den Segen des ewigen Bundes, den er seinerzeit mit seinem auserwählten Volk schloss.

Wohin wird all dies führen?

Und zu dieser Zeit …

Wenn dieses Jahr die Kerzen am Chanukka Leuchter angezündet und die Gebete gesprochen werden, bekommen die zweitausend Jahre alten Segensworte ganz besondere Intensität und Bedeutung.


„Gepriesen seist Du, Herr unser Gott und König der Welt.  Du hast uns geheiligt durch deine Gebote und uns geboten, das Chanukkahlicht anzuzünden.
Gepriesen seist Du, Herr unser Gott, König der Welt, Du hast uns Leben und Erhaltung gegeben und hast uns diese Zeit erreichen lassen.
Gepriesen seist Du, Herr unser Gott, König der Welt, Du hast Wunder erwiesen unseren Vorfahren in jenen Tagen und zu dieser Zeit.“

Davidstern aus Teelichtern

Zu dem Dank kommt die Bitte aus tiefem Herzen hinzu: schenke Israel auch heute Leben und Erhaltung und lass uns auch in dieser dunklen Zeit wieder erfahren, wie du zu deinem Volk stehst und Wunder für sie tust. Lasse sie und uns auch in dieser Zeit dein Licht erkennen und erleben.


Chag Chanukka Sameach! Ein gesegnetes Chanukka Fest!

Erstveröffentlichung: 7. Dezember 2023 (Chanukka)

Deutsch:  Israel Heute   CSI    CFFI

Englisch:  Israel Today

Copyright ©  Brigitte B. Nussbächer; Abdruck nur nach vorheriger Genehmigung

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Wie wir das Wunder Israel erlebt haben

von Brigitte B. Nussbächer

Wir haben in Israel mit eigenen Augen wahrgenommen, wie Gott zu seinem Volk steht. Wir haben anhand von Fakten und Tatsachen gesehen, wie die Aussagen der Bibel Realität werden und wir haben überall im heutigen Israel Gottes in Erfüllung gehende Verheißungen erlebt.​

Vorausgegangen war eine eher mühsame Entscheidungsfindung. Israel einmal zu besuchen gehörte zur „Allgemeinbildung“ von Christen. Trotzdem hatte es mich nicht hingezogen und die Berichte derer, die von Reisen aus Israel zurück kehrten, hatten wenig dazu beigetragen, es zu ändern. Wenn sie von den sogenannten „Heiligen“ Stätten berichteten, fragte ich mich immer, was es mir denn bringen würde, diese Ruinen oder Gedenkkirchen anzusehen. Viel mehr interessierte mich, was Gott heute in der Gegenwart erlebbar machte.

Letztlich war es dann tatsächlich auch ein anderer Gedanke, der den Anstoß zu dem Besuch gab. 2018 feierten mehrere nach dem 2. Weltkrieg gegründete Staaten ihr 70. Jubiläum – darunter auch Israel. Nachdem wir Dokumentarfilme über Indien und Pakistan zu dem Thema gesehen hatten, fragte ich mich, wie wohl Israel diese 70 Jahre genutzt hatte. Im Vergleich zu den anderen Staaten musste es ungleich schwerer gewesen sein, aus dem Nichts etwas aufzubauen.  Noch 1867 hatte Marc Twain das Land als desolat, eine stille, traurige Weite ohne Mensch, Baum und Strauch bezeichnet. Was war daraus geworden?

Und so begaben wir uns auf eine geschichtliche Studienreise, was sich im Nachhinein als Volltreffer erwies. Nie hätten wir in einem Individualurlaub so viel erfahren und kennen gelernt.

Noch während wir vom Flughafen Ben Gurion nach Tel Aviv fahren, hören wir die Entstehungsgechichte dieser Stadt, von der Parzellverlosung an ein paar Dutzend Familien nördlich der jahrtausende alten Hafenstadt Jaffa im April 1909. Diese wollten auf den Sanddünen, die der niederländische Bankier Jacobus Kann gekauft hatte, die erste jüdische Stadt der Moderne bauen. Und dann fahren wir auch schon an den ersten Hochhäusern vorbei und nach Tel Aviv hinein, welches heute (rund 100 Jahre später) die modernste und weltoffenste Metropole des gesamten Nahen Ostens ist.


Im sehr originell und lebendig gestalteten Palmach Museum in Tel Aviv erfahren wir von dem beeindruckenden Kampf des jüdischen Volkes für seine Unabhängigkeit. Und von der Vorgeschichte: als die UN 1947 beschloss, das ehemalige britische Mandat in 2 Länder aufzuteilen: ein jüdisches und einen arabisches. Von dem Protest der Araber und von dem Druck, der auf die Juden ausgeübt wurde, diese Chance nicht zu nutzen. Von der Proklamation des jüdischen Staates durch David Ben Gurion am 14. Mai 1948 und von dem Angriff der 5 arabischen Länder Ägypten, Syrien, Jordanien, Irak & Libanon um Mitternacht am gleichen Tag.

Man muss sich die damalige Situation vergegenwärtigen. Ca. 650.000 Juden, viele von ihnen Holocaustüberlebende, die gerade erst das Grauen hinter sich gelassen hatten, versuchten Israel, welches als neugegründeter Staat keine Armee besaß, mit Gewehren, Maschinenpistolen und Granatwerfern gegen eine Mehrheit von 160 Millionen Arabern (ausgerüstet mit Panzern, Artillerie, Schützenpanzerwagen, Flugzeugen und Kriegsschiffen) zu verteidigen. Ein Verhältnis von 1 : 246!  Dabei wird einem die menschliche Ausweglosigkeit bewusst und dass das Überleben Israels ein Wunder ist.  Mit Tränen in den Augen verlasse ich das Museum. Jetzt verstehen wir, welch hohen Preis das jüdische Volk (nach der Auslöschung der 6 Millionen durch den Holocaust)  im Unabhängigkeitskrieg für seine Existenz bezahlt hat.

Umso mehr staunen wir über die Lebensfreude und Energie, die heute auf den Strassen Tel Avivs spürbar ist und die wir bei den Menschen, denen wir begegnen, erleben. Wir sehen die Fähigkeit dieses Volkes schnell aus dem Nichts etwas aufzubauen (sie haben weltweit die 2 höchste Anzahl von Start Ups), ihre Genialität Lösungen für scheinbar Unlösbares zu finden, wie zum Beispiel mit Wasserentsalzungsanlagen am Mittelmeer den Wassermangel zu beheben und durch computergesteuerte Tröpfchenbewässerung Plantagen in der Wüste anzubauen. Wir sind überrascht, dass Israel die zweithöchste Akademikerquote und die dritthöchste Patentquote der Welt hat und bewundern, dass 23% aller Nobelpreisträger aus diesem kleinen Volk, dass nur 0,2 % der Weltbevölkerung ausmacht, stammen.

Wir erleben ihre Kreativität sowie ihren Sinn für Kunst und Schönheit. Israel hat gemessen an der Anzahl der Einwohner die meisten Museen und Orchester per capita und liegt auf Platz 2, was die Anzahl der verlegten Bücher anbelangt. Wer hier ein Konzert besucht, wird einem sehr hohen künstlerischen Niveau und großer Begeisterung des Publikums begegnen.

Wir streifen durch Städte, Orte, Landschaften und sind beeindruckt: unglaublich was hier in nur 70 Jahren geschaffen wurde. Dort wo sich früher Sümpfe, Sanddünen und wüstes Land befanden, haben Pioniergeist, Innovation und Durchhaltevermögen überall blühendes Leben entstehen lassen. Israel ist das einzige Land, in dem die Wüste rückläufig ist, Millionen Bäume wurden gepflanzt und entlang der Autobahn blüht tropfenbewässerter Oleander. Aus dem armen Agrarstaat ist ein Land mit führender Technologie und einer starken Währung entstanden. Israel gehört heute zu den 10 einflussreichsten Ländern der Welt und liegt auch im Happiness Ranking vorne. (Siehe Grafik unten)

Je mehr Israelis wir persönlich kennen lernen, desto mehr schätzen wir ihre konstruktive Einstellung, ihre Dynamik und ihren Mut – trotz ihres bis heute andauernden Ringens um ihr Recht auf Existenz.

Wir hören von den Kämpfen im 6 Tage Krieg 1967, von der Befreiung der Altstadt Jerusalems und wie die Juden wieder Zugang zu ihrer heute heiligsten Stätte, der Westmauer, erlangten.

Und von dem „Tal der Tränen“, so benannt nach der anfänglich auswegslosen Situation im Jom Kippur Krieg 1973, als die syrische Armee mit über 1.000 Panzern im Norden Israels einbrach und von weniger als 200 Panzern auf israelischer Seite aufgehalten wurde.

Wir sehen den Wiederaufbau nach wiederholter Zerstörung, sei es nun die Hurva Synagoge in Jerusalem oder die Siedlungen in Gush Etzion.

 

Und wir nehmen wahr, dass selbst die häufigen Terroranschläge in dieser Gegend den Menschen weder die Lebensfreude noch den Lebensmut rauben können, auch wenn sie schmerzliche Verluste zu beklagen haben.

Wir erleben die „Wächter Israels“, die jungen Soldaten und Soldatinnen auf den Straßen, die für Sicherheit sorgen und lauschen den Zeugnissen von sogenannten „einsamen“ Soldaten, die freiwillig ihr Heimatland, Verwandte, Freunde und ein angenehmes Leben verlassen, um in der IDF (Israels Defence Forces) zu dienen. Tatsächlich spielt die IDF auch eine wichtige Rolle bei der Integration und der Schaffung eines gemeinsamen Nenners in der israelischen Gesellschaft.

Denn die Bevölkerungsvielfalt ist erstaunlich. Die Holocaust Überlebenden von überall aus Europa, die ca. 700.000 Juden, die nach Israels Gründung aus den umliegenden arabischen Ländern vertrieben wurden, die Einwanderung aus Afrika und die großen Aliyah-Wellen aus der ehemaligen Sowjetunion haben alle dazu beigetragen. Die Bevölkerungszahl Israels hat sich in den letzten 75 Jahren ver-14-facht (im Vergleich dazu hat sich die Weltbevölkerung in den letzten 50 Jahren „nur“verdoppelt).

Am liebsten hören wir jedoch die Geschichten von jenen, die freiwillig nach Israel kamen, weil sie es als ihre Aufgaben betrachten, dieses Land aufzubauen und sich mit großer Energie dafür einsetzen.

Was uns aber am allermeisten beeindruckt – und tatsächlich auch überrascht hat - ist die intensive, innige und lebendige Beziehung, die viele Juden zu Gott haben. Da uns in den säkularen, kirchlichen und freikirchlichen Kreisen, aus denen wir stammen, die Rolle und Bedeutung von Israel und dem Judentum nicht vermittelt worden war, weder als geistliche Wurzel noch für die Zukunft, waren wir implizit davon ausgegangen, dass so eine Beziehung zu Gott nur bei Christen möglich sei. Jetzt sahen wir mit eigenen Augen wie falsch diese Annahme war.

Heute weiss ich, dank dem erschütterndem Buch „Holocaust“ von Susanna Kokkonen, dass der christliche Glaube bewusst vom Judentum differenziert wurde, seit Kaiser Konstantin der Große die Anerkennung des Christentums als rechtmässige Religion einführte, sich aus politischen Gründen zum Oberhaupt der Kirche ernannte und das erste Konzil im Jahre 325 einberief. Er erklärte, dass die Juden für den Tod Jesu verantwortlich wären, also betrachtete man sie als „Gottesmöder“; verdammt und der Gnade Gottes und der Menschen unwürdig. Eine weitere Lehre dieser Zeit, die „Ersatztheologie“ besagt, dass Israel seine Rolle in Gottes Plänen verspielt hätte und die Christen nun das neue Israel seien. Die Kirchenväter vor und nach diesem ersten Konzil verleugneten den ewigen Bund zwischen Gott und den Juden systematisch, beziehungsweise glaubten, dass Gott diesen Bund aufgehoben hätte.

Der Einfluss dieser Lehren die seit über 1700 Jahren im Umlauf sind, ist erschreckend tiefgreifend. Im Grunde wurde hier schon die Legitimation für Judenhass und Judenverfolgung geschaffen, für Verleugnung und Ignoranz. Hier liegt der idelogische Ursprung von Inquisition, Progromen, Kreuzzügen und Holocaust.

Eine Konsequenz daraus war, das einerseits bei Übersetzungen versucht wurde, die Hinweise auf das Judentum auszulassen und andererseits bei vielen christlichen Themen der jüdische Ursprung nicht erwähnt wurde. Beispiele dafür sind christliche Feste, die alle ihr Äquivalent in den jüdischen biblischen Festen haben (z.B. Passah-Ostern, Schavuot-Pfingsten, Weihnachten-Chanukka) oder auch andere Bräuche: so zum Beispiel ist die jüdische Bar Mitzwa, bei der junge Erwachsene in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen werden, das Vorbild für Kommunion/Konfirmation/Jugendweihe - um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Das gleiche spiegelt sich auch in der Kunst. Wer z. B. durch die Uffizien von Florenz streift, (eines der berühmtesten Kunstmuseen der Welt mit Werken der Malerie und Bildhauerei von der Antike bis zum Spätbarock), stellt fest, dass es aus dem Alten Testament Bilder von Adam und Eva gibt. Das nächste große Thema ist die Ankündigung von Jesu Geburt. Alles was dazwischen liegt, ist ausgeblendet.

So sind sich viele bis heute des jüdischen Erbes nicht bewusst. Derek Prince, ein Bibellehrer unserer Zeit (und die, die mich schon lange kennen, wissen, dass ich jahrelang für Derek Prince Ministries gearbeitet habe), fasste es einmal so zusammen: Wir stehen tief in der Schuld des jüdischen Volkes.
Ohne dieses hätte die Gemeinde keine Patriarchen, keine Propheten, keine Apostel , keine Bibel und keinen Erlöser. Wenn uns all das fehlen würde, was gäbe es dann noch, was uns das Heil bringen könnte? Alle Nationen der Erde verdanken das Wertvollste an ihrem geistlichen Erbe den Juden.

Aber obwohl wir Derek Prince persönlich begegnet waren und viel von unserem Israel-Bild von seinen Worten geprägt war, mussten wir feststellen, dass auch wir Gefangene des Denkens der Kirchenväter waren. Auch wir hatten gedacht, dass die Juden verloren sein mussten, da man ja nur durch Jesus zum Vater kommen könne und übersahen dabei geflissentlich, dass Paulus in Römer 11 eindeutig sagt, dass Gott sein Volk nicht verstossen hat (Vers 1), dass er seine Gaben nicht zurück fordert und die Zusage seiner Erwählung nicht widerruft (Vers 29).

Und jetzt waren wir in Jerusalem und begegneten dem jüdischen Volk Israel erstmalig in seinem eigenen Land.

Was für uns ganz eindeutig wurde, war, dass die Gründung und das Überleben dieses Staates, seine schnellen Fortschritte und Errungenschaften, der Lebensmut und die Kraft, die man in so vielen Menschen in Israel beobachten kann, rational und menschlich nicht zu erklären sind, sondern auf eine besondere Energiequelle und Kraft zurück führen. Hier in Israel war Gott überall im Alltag erlebbar.

Seit über 2000 Jahren spricht die Bibel von einem lebendigen Gott, der Israel als sein Volk auserwählte und der verhieß, dies Volk nach seiner Zerstreuung wieder in das Land seiner Vorfahren zurück zu bringen und es besonders auszustatten. Dies jedoch auf einmal mit unseren eigenen Sinnen zu sehen, zu beobachten, veränderte uns.

Als wir am Ufer vom See Genezareth sassen, kam mir der Gedanke, dass Juden vorgeworfen wurde, Jesus nicht erkannt zu haben – obwohl doch das, was um ihn herum geschah, offensichtlich und eindeutig war … Und dass heute viele Christen das, was Gott in und mit Israel tut, nicht erkennen – obwohl es ebenso offensichtlich und eindeutig ist.

Wir begannen die Bibel mit anderen Augen zu lesen. Was wir bis dahin überlesen hatten, stach jetzt deutlich hervor.

Wenn man sich vergegenwärtig, dass Jesus in Matthäus 5,17 selber gesagt hat „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen“, dann kann man die Bedeutung von Israel und Jerusalem schwer überlesen.

Denn auf dem Berge Zion und zu Jerusalem wird Errettung sein – steht in Joel 3,5

Und Sacharjia weissagt in Kapitel 8, 22: Menschen aus großen und mächtigen Völkern werden nach Jerusalem kommen, um den HERRN, den Allmächtigen, zu suchen und den HERRN gnädig zu stimmen.

Jesaja prophezeit in Kapitel 60, 2-3: Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir (Zion) geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.

Wir haben in Israel mit eigenen Augen wahrgenommen, wie Gott zu seinem Volk steht. Wir haben anhand von Fakten und Tatsachen gesehen, wie die Aussagen der Bibel Realität werden und wir haben überall im heutigen Israel Gottes in Erfüllung gehende Verheißungen erlebt.

 

Die Bibel spricht in Sacharja 8,23 davon, dass „in jenen Tagen zehn Menschen aus Völkern mit lauter verschiedenen Sprachen einen Mann aus Juda am Rockzipfel festhalten werden und bitten: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott bei euch ist“ - für uns sind diese Tage bereits angebrochen…die Beziehungen zu unseren jüdischen Freunden und die Verbindung zu Israel sind zu einer der wertvollsten Konstanten, einer Bereicherung und einer Quelle des Lernens in  unserem Leben geworden.

Davidstern grün
ELAL

„Bruchim haba'im le’Israel - Willkommen in Israel” klang die Stimme des Piloten aus den Lautsprechern und das Flugzeug rollte langsam zur finalen Position. Wir sahen neugierig aus dem Fenster. Was würden wir in diesem Land, über das so viel Widersprüchliches berichtet wird und dass es vor 100 Jahren noch nicht gab, vorfinden? Ich wusste damals nicht, vor welcher lebensverändernden Erfahrung ich stand!

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