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ISRAEL – Die Erfüllung einer Hoffnung

TEIL 1: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

von Brigitte B. Nussbächer

Nach der Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem und der Vertreibung der Juden

war der Gedanke an die Rückkehr nach Israel und die Gründung eines eigenen unabhängigen Staates, jahrhundertelang nur ein Traum. Doch die Juden gaben die Hoffnung nicht auf.

Und zweitausend Jahre später erlebten sie, wie der Same dieser Hoffnung zu dem unwahrscheinlichsten Zeitpunkt aufging - nachdem 6 Millionen von ihnen vernichtet worden waren.


Konnte dieser Traum der feindlichen Wirklichkeit standhalten?

Davidstern grün
Israel Landkarte mit Fahne

Solange noch im Herzen eine jüdische Seele wohnt
und ein Auge nach Zion blickt,
so lange ist unsere zweitausend Jahre alte Hoffnung
ein freies Volk in Jerusalem und im Lande Zion zu sein, nicht verloren.


(Auszug Israelische Nationalhymne)

Von der Zerstörung zur Hoffnung

August, im Jahr 70 nach Christus. Der jüdische Tempel (siehe Tempelberg), das Zentrum des antiken Judentums, wird von den Römern zerstört. Die Kultgeräte werden im Triumphzug nach Rom gebracht. Den Juden wird per Gesetz verboten, sich Jerusalem zu nähern. Sie werden aus ihrer Heimat vertrieben.

2000 Jahre Fremdherrschaft, 2000 Jahre Exil, Verfolgung, Pogrome folgen – aber auch 2000 Jahre der Hoffnung entgegen allen Wahrscheinlichkeiten.

Im Angesicht eines immer stärker werdenden, weltweiten Judenhasses wagt 1897 ein Mann, dieser Hoffnung und diesem Traum einen Rahmen zu geben. Theodor Herzl, ein jüdischer Journalist, gründet die „Zionistische Weltorganisation“ in Basel. Das Ziel: die jüdische Besiedlung in der damals osmanischen Provinz Palästina und die Schaffung eines eigenen Staates.

Relief Titusbogen

Damals schrieb Herzl in sein Tagebuch: „In Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagte, würde mir ein universelles Gelächter antworten. Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in fünfzig wird es jeder einsehen.“


Er sollte Recht behalten!

Rückkehr nach Zion

Herzl

Unterstützung für ihren Traum bekommen die Zionisten von Großbritannien. 1917, als die Truppen des Empires das Territorium Palästinas erobern, stellt der britische Außenminister, Lord Balfour, den Juden „Unterstützung bei der Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk“ im damaligen Palästina in Aussicht. Die sogenannte „Balfour Deklaration“ wird 1920 in den Friedensvertrag der Alliierten mit der Türkei und 1922 in das Völkerbundmandat für Palästina aufgenommen.

Der Holocaust

Als 1933 Hitler in Deutschland an die Macht kommt, fliehen viele Juden. In den Jahren danach werden auch die benachbarten Länder von den Nazis besetzt. Die Lage verschärft sich. Bis 1939 gelingt es insgesamt nur 250.000 Einwanderern aus ganz Europa sich nach Palästina zu retten.

Denn seit 1922 kommt es wiederholt und verstärkt zu arabischen Angriffen auf jüdische Siedlungen. Daraufhin beginnen die Briten die Einwanderung zu beschränken und rücken damit nach weniger als fünf Jahren schon wieder von ihrem Versprechen ab. Bei einem Massaker werden 67 jüdische Zivilisten in Hebron ermordet. Die überlebenden Juden müssen die Stadt verlassen. 1936 eskaliert die Lage völlig. Der bis dahin größte arabische Aufstand gegen Juden und Briten fordert auf beiden Seiten jeweils rund 3.000 Tote. Danach dürfen nur noch maximal 20.000 Juden pro Jahr nach Palästina einreisen.

Verfolgt von den Nazis einerseits, ungewollt und ausgesperrt von der Welt andererseits, können nur wenige Juden dem Holocaust entkommen. Zwischen 1939 und 1945 werden sechs Millionen vernichtet (siehe Yad Vashem und Artikel: Die zweite Chance).

Leichen Holocaust

Verbotener Zufluchtsort

Im Gegenteil: sie entern die herannahenden Schiffe (siehe Buch Exodus), internieren Ankömmlinge in Lagern in Palästina (wie zum Beispiel in Atlit), später auch auf Zypern und bringen die Juden teilweise wieder nach Europa, tatsächlich sogar nach Deutschland zurück . Der britische Umgang mit den Holocaust-Überlebenden ruft weltweite Entrüstung hervor und das Problem der jüdischen "Displaced Persons" wird zum Thema der internationalen Politik.

Auch nach dem Holocaust müssen die Überlebenden feststellen, dass sie in den meisten Ländern unerwünscht sind. Viele von ihnen hoffen, in Palästina eine neue Heimat und einen Neubeginn zu finden. Doch die Briten lockern ihre Einreisebestimmungen nicht.

Flüchtlingsschiff
Fahnen UN

Ab April 1947 nimmt sich die UN der Frage an, wie es mit dem britischen Mandat Palästina weiter gehen soll.

Eine Kommission empfiehlt das Gebiet in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu teilen. Dieser Vorschlag wird am 29. November 1947 mit 33 Ja-Stimmen angenommen.

Der vorgesehene Plan birgt einige Härten für Israel:
•    Israel erhält nur 11% des ursprünglichen Mandatsgebiets. 78% sind vom arabischen Staat Transjordanien belegt, weitere 11% sollen dem neuen, zweiten arabischen Staat gehören.
•    Davon sind 2/3 Negev Wüste, damals unbrauchbar für Siedlungsbau und Landwirtschaft.
•    Das jüdische Gebiet ist dreigeteilt und nur durch Korridore verbunden.
•    40% der Bevölkerung in dem vorgesehenen Gebiet sind Moslems (im Vergleich dazu sind in den arabischen Gebieten keine Juden vorgesehen).
•    Jerusalem - das Sehnsuchtsziel der Juden soll unter internationale Aufsicht gestellt werden.

 

Trotzdem erkennen die Juden ihre historische Chance und feiern den Beschluss.


Die Araber jedoch lehnen den Plan vehement ab – bis heute. Die Arabische Liga ruft zum gemeinsamen militärischen Vorgehen gegen den künftigen israelischen Staat auf.

Die Westmächte distanzieren sich von Israel.


Nach der UN-Resolution erklärt Großbritannien keine Truppen zum Schutz der Teilung zu stellen, liefert Waffen nach Transjordanien und Ägypten, schließt einen Beistandspakt mit dem Irak und verlegt seine Militäreinheiten in den arabischen Teil Palästinas.

Die USA warnt vor einem zweiten Holocaust und erklärt gleichzeitig, Israel keine Hilfe zu leisten. Am Vorabend der Unabhängigkeit, sendet George Marshall, der Staatssekretär der USA, Ben Gurion ein Ultimatum und verlangt eine Aufschiebung der Proklamierung der Unabhängigkeit. Zusammen mit dem Verteidigungsminister setzt er außerdem ein militärisches Embargo gegen Israel durch.

Wegweiser
Unabhängigkeitserklärung Israel

Auch die Generäle der israelischen Untergrundorganisationen Haganah und Palmach (siehe Palmach Museum) sind gegen Ben Gurions Plan, einen Staat auszurufen. Alle Kämpfer zusammen zählen nur ein paar Tausend. Sie haben fast keine Ausrüstung, nur die Hälfte besitzt Waffen. Am Vorabend der Unabhängigkeit steht Israel schlecht ausgestattet, unorganisiert, ohne Panzer, ohne Flugwaffe und ohne Kampfpläne, fünf professionellen Armeen gegenüber. Wie sollen die Juden sich verteidigen können?


Allein, bedroht und isoliert von der internationalen Gemeinschaft, mit arabischen Armeen an jeder Grenze ist die Frage:

Jetzt – oder vielleicht nie?

Die Wiedergeburt Israels

Doch die Hoffnung überwiegt. David Ben Gurion überwindet den unglaublichen Druck und proklamiert noch am Tag der Beendigung der britischen Mandatsherrschaft, dem 14. Mai 1948, die Gründung eines unabhängigen jüdischen Staates (siehe Independence Hall). Jubel auf den Straßen Tel Avivs. Das 2000 Jahre alte Hoffnungsziel ist erreicht. Es ist der Tag, der die Geschichte im Nahen Osten verändert.

„Wir verkünden hiermit kraft unseres natürlichen und historischen Rechtes und aufgrund des Beschlusses der Vollversammlung der Vereinten Nationen die Errichtung des Staates Israel. Er wird auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden im Sinne der Visionen der Propheten Israels gestützt sein.

Unser Ruf ergeht an das jüdische Volk in allen Ländern der Diaspora, uns auf dem Gebiet der Einwanderung und des Aufbaues zu helfen und uns im Streben nach der Erfüllung des Traumes von der Erlösung Israels beizustehen.


Inmitten mörderischer Angriffe, denen wir seit Monaten ausgesetzt sind, wenden wir uns an die in Israel lebenden Araber mit dem Aufruf, den Frieden zu wahren und sich aufgrund voller bürgerlicher Gleichberechtigung und entsprechender Vertretung in allen provisorischen und permanenten Organen des Staates an seinem Aufbau zu beteiligen.


Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitigen Hilfe auf“.  


(Auszug aus Ben Gurions legendärer Ansprache)

Israelischer Panzer

Aber wider alle Erwartungen, wider alle Widerstände, gelingt es Israel sich zu behaupten. Die Motivation der Kämpfer ist beispiellos (siehe Film Der Schatten der Giganten). Sie wissen, dass die Alternative zu einem Sieg, die endgültige Vernichtung ist.


Doch der Preis ist hoch: Israel verliert in diesem Krieg ein ganzes Prozent seiner Gesamtbevölkerung. 6000 Soldaten fallen.  Rund 2000 davon sind Holocaustüberlebende, die nach der Hölle der Konzentrationslager mit einer Hoffnung nach Israel gekommen waren – nur um hier zu sterben. Jerusalem fällt, wird von den Jordaniern eingenommen; das jüdische Viertel wird geplündert und demoliert (siehe Hurva Synagoge). Das gleiche geschieht in Hebron, Gush Etzion und anderen Orten. Die dort lebenden Juden werden vertrieben. Während der Kämpfe werden auch viele der mühsam errichteten Siedlungen, Fabriken, Infrastrukturen und bestellten Feldern zerstört

Erstveröffentlichung: 10. Mai 2024

(76. Unabhängigkeitstag Israels)

Deutsch:  Israel Heute   CSI    CFFI

Englisch:  Israel Today

Copyright ©  Brigitte B. Nussbächer; Abdruck nur nach vorheriger Genehmigung

Der Teilungsplan

Der Überlebenskampf

Schon am 15. Mai, kurz nach Mitternacht, rücken reguläre Armeeeinheiten der arabischen Allianz, die von Ägypten, Syrien, Libanon, Jordanien und Irak gebildet worden war, von allen Seiten in das ehemalige britische Mandatsgebiet ein und greifen Israel an. Ihr Ziel ist die Beseitigung des entstehenden jüdischen Staates .

In Israel leben zu diesem Zeitpunkt 650.000 Juden in den umliegenden Ländern 160 Millionen Araber. Das Verhältnis 1 : 246. Während die arabischen Streitkräfte über Panzer, Artillerie, Schützenpanzerwagen, Flugzeuge und Kriegsschiffe verfügen, sind Israels Soldaten nur mit Gewehren, Maschinenpistolen und Granatwerfern ausgerüstet, da sie davor weder einen Staat noch eine reguläre Armee besaßen. Es gibt auch Verständigungsschwierigkeiten, weil sie keine gemeinsame Sprache sprechen. Es ist menschlich gesehen eine aussichtslose Situation.

Dennoch: bis Juli 1949 gelingt es Israel Waffenstillstandsverträge mit seinen arabischen Kriegsgegnern abzuschließen. Die vereinbarten Waffenstillstandslinien vergrößern das israelische Territorium um ein Drittel im Vergleich zum ursprünglichen UN-Teilungsplan.

Israel nach Unabhängigkeitskrieg

Die palästinensische „Nakba“

Somit hat die Weigerung der Araber, den Teilungsplan zu akzeptieren, letztendlich ihnen selber den meisten Schaden zugefügt. 15.000 Araber sterben in diesem Krieg und viele verlieren ihre Heimat. Sie erinnern sich an diese Ereignisse als „Nakba“ (arabisch für Katastrophe).

Von dem Territorium jedoch, das von der UN für den neuen palästinensisch-arabischen Staat vorgesehen ist, erobert und annektiert Jordanien die Westbank und die Altstadt von Jerusalem, während Ägypten den Gaza-Streifen besetzt. Die Option eines eigenständigen Palästinenserstaates ist damit nicht mehr vorhanden.

Tatsächlich verlassen ca. 30.000 wohlhabende Palästinenser das Land schon vor Kriegsbeginn und lösen damit einen Nachahmungseffekt aus. Etliche flüchten, um nicht zwischen die Fronten zu geraten. Einige werden vertrieben, aber viele lassen sich von der arabischen Angstpropaganda beeinflussen und gehorchen den Aufrufen der arabischen Führer zu fliehen, in dem Glauben, bald wieder zurückzukehren. Manche gehen, weil sie nicht unter gleichberechtigten „Ungläubigen“ leben wollen .

Der Schlüssel

Nach dem Krieg verhindern alle arabischen Nachbarstaaten, mit Ausnahme von Jordanien, die Integration der Palästinenser. Im Gegensatz dazu akzeptiert der israelische Staat die in Israel verbliebenen Araber als Bürger mit gleichen juristischen und politischen Rechten.

 

Heute leben von den vor 75 Jahren insgesamt 600.000 -700.000 palästinensischen Flüchtlingen noch ein paar Zehntausend. Aber seltsamerweise „erben“ sämtliche Kinder und Kindeskinder der tatsächlich Betroffenen ebenfalls den Flüchtlingsstatus. Das ist einzig in der Weltgeschichte und führt dazu, dass die Zahl dieser „Geflohenen“ weiterhin stetig wächst . Es sind inzwischen weit über 5 Millionen Menschen …


Hätten die Araber 1947 den UN-Teilungsplan angenommen, gäbe es heute einen unabhängigen arabisch-palästinensischen Staat und keine Flüchtlinge.

Die jüdische Nakba

Von der Weltöffentlichkeit wenig beachtet findet nach dem israelisch-palästinensischen Krieg die Vertreibung der Juden aus den arabischen Ländern statt. Es gibt Pogrome, Erschießungen, Enteignungen, Misshandlungen. Schließlich müssen rund 850.000 Juden ihre Herkunftsländer verlassen.

Dazu kommen noch rund 70.000 Juden aus der Westbank und Jerusalem. Die meisten erreichen den jungen israelischen Staat völlig mittellos, da ihr Besitz konfisziert wurde. In einigen Fällen richtet Israel spektakuläre Luftbrücken ein: so werden in der Operation «Fliegender Teppich» 1949 zehntausende Juden aus dem Jemen ausgeflogen.

Die ursprünglich 650 000 Juden in Palästina nehmen innerhalb kürzester Zeit 700 000 weitere auf, von denen die einen von der Shoah traumatisiert sind und im Fall der Mizrahim (Juden aus der arabischen Welt) viele aus vergleichsweisen schlecht ausgebildeten, verarmten Bevölkerungsschichten stammen . Eine einmalige Integrationsleistung!

Jüdische Flüchtlinge

So wurde Israels Hoffnung zur Wirklichkeit. Rund ein Jahr nach der Proklamation des Staates hat Israel der staunenden Welt seine Überlebensfähigkeit bewiesen. Ein Wunder und eine erfüllte Verheißung aus der Bibel: „Der Herr hat sein Volk in alle Winde zerstreut. Aber nun sammelt er es wieder.“ (Jeremia 31:10). Doch wie geht es weiter? Ist Israels Frieden nun gesichert? Gibt die Welt diesem Volk, von dem nur wenige überlebt haben, die Chance, sich zu entwickeln? Wie nutzt Israel diese Chance?  Verfolgen Sie die faszinierende Überlebensgeschichte Israels weiter im zweiten Teil des Artikels: "Israel - Lebensfreude im Schatten der Kriege"

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Der Same dieses Gedankens beginnt zu keimen. In den kommenden Jahren (1882 – 1927) folgen mehrere Einwanderungswellen „Alijot“ nach Israel. Die meisten Einwanderer dieser Zeit kommen aus Osteuropa und fliehen vor den Pogromen aus dem Zarenreich und aus Polen .

Jüdische Einwanderer

Nach dem Krieg teilen Frankreich und Großbritannien das Gebiet unter sich auf. Die Briten sind die neuen Herren in Palästina. 78% des Territoriums vergeben sie an Araber. Das Emirat Transjordanien entsteht . Juden dürfen sich nur westlich des Jordans ansiedeln.


Dennoch nimmt die jüdische Einwanderung zu. Die Siedler arbeiten in landwirtschaftlichen und handwerklichen Gemeinschaften. Sie kaufen unbewirtschaftetes Land von den Arabern, für das sie hohe Preise zahlen und machen das öde, vernachlässigte Terrain urbar. Sümpfe werden trockengelegt, Hügel bewaldet, Felder angebaut und bewässert .


Die britische Peel Kommission, die später die Situation zwischen Juden und Arabern beurteilen soll, stellt fest: „der Großteil des Landes auf dem heute Orangenhaine stehen, bestand zur Zeit des Landkaufs aus Sanddünen, Sumpfland oder unkultiviertem Boden“ .

Teilungsplan Palästina 1947

Eine schwere Entscheidung

Juden in arabischen Ländern 1948

Wie wir das Wunder Israel erlebt haben

von Brigitte B. Nussbächer

Wir haben in Israel mit eigenen Augen wahrgenommen, wie Gott zu seinem Volk steht. Wir haben anhand von Fakten und Tatsachen gesehen, wie die Aussagen der Bibel Realität werden und wir haben überall im heutigen Israel Gottes in Erfüllung gehende Verheißungen erlebt.​

Vorausgegangen war eine eher mühsame Entscheidungsfindung. Israel einmal zu besuchen gehörte zur „Allgemeinbildung“ von Christen. Trotzdem hatte es mich nicht hingezogen und die Berichte derer, die von Reisen aus Israel zurück kehrten, hatten wenig dazu beigetragen, es zu ändern. Wenn sie von den sogenannten „Heiligen“ Stätten berichteten, fragte ich mich immer, was es mir denn bringen würde, diese Ruinen oder Gedenkkirchen anzusehen. Viel mehr interessierte mich, was Gott heute in der Gegenwart erlebbar machte.

Letztlich war es dann tatsächlich auch ein anderer Gedanke, der den Anstoß zu dem Besuch gab. 2018 feierten mehrere nach dem 2. Weltkrieg gegründete Staaten ihr 70. Jubiläum – darunter auch Israel. Nachdem wir Dokumentarfilme über Indien und Pakistan zu dem Thema gesehen hatten, fragte ich mich, wie wohl Israel diese 70 Jahre genutzt hatte. Im Vergleich zu den anderen Staaten musste es ungleich schwerer gewesen sein, aus dem Nichts etwas aufzubauen.  Noch 1867 hatte Marc Twain das Land als desolat, eine stille, traurige Weite ohne Mensch, Baum und Strauch bezeichnet. Was war daraus geworden?

Und so begaben wir uns auf eine geschichtliche Studienreise, was sich im Nachhinein als Volltreffer erwies. Nie hätten wir in einem Individualurlaub so viel erfahren und kennen gelernt.

Noch während wir vom Flughafen Ben Gurion nach Tel Aviv fahren, hören wir die Entstehungsgechichte dieser Stadt, von der Parzellverlosung an ein paar Dutzend Familien nördlich der jahrtausende alten Hafenstadt Jaffa im April 1909. Diese wollten auf den Sanddünen, die der niederländische Bankier Jacobus Kann gekauft hatte, die erste jüdische Stadt der Moderne bauen. Und dann fahren wir auch schon an den ersten Hochhäusern vorbei und nach Tel Aviv hinein, welches heute (rund 100 Jahre später) die modernste und weltoffenste Metropole des gesamten Nahen Ostens ist.


Im sehr originell und lebendig gestalteten Palmach Museum in Tel Aviv erfahren wir von dem beeindruckenden Kampf des jüdischen Volkes für seine Unabhängigkeit. Und von der Vorgeschichte: als die UN 1947 beschloss, das ehemalige britische Mandat in 2 Länder aufzuteilen: ein jüdisches und einen arabisches. Von dem Protest der Araber und von dem Druck, der auf die Juden ausgeübt wurde, diese Chance nicht zu nutzen. Von der Proklamation des jüdischen Staates durch David Ben Gurion am 14. Mai 1948 und von dem Angriff der 5 arabischen Länder Ägypten, Syrien, Jordanien, Irak & Libanon um Mitternacht am gleichen Tag.

Man muss sich die damalige Situation vergegenwärtigen. Ca. 650.000 Juden, viele von ihnen Holocaustüberlebende, die gerade erst das Grauen hinter sich gelassen hatten, versuchten Israel, welches als neugegründeter Staat keine Armee besaß, mit Gewehren, Maschinenpistolen und Granatwerfern gegen eine Mehrheit von 160 Millionen Arabern (ausgerüstet mit Panzern, Artillerie, Schützenpanzerwagen, Flugzeugen und Kriegsschiffen) zu verteidigen. Ein Verhältnis von 1 : 246!  Dabei wird einem die menschliche Ausweglosigkeit bewusst und dass das Überleben Israels ein Wunder ist.  Mit Tränen in den Augen verlasse ich das Museum. Jetzt verstehen wir, welch hohen Preis das jüdische Volk (nach der Auslöschung der 6 Millionen durch den Holocaust)  im Unabhängigkeitskrieg für seine Existenz bezahlt hat.

Umso mehr staunen wir über die Lebensfreude und Energie, die heute auf den Strassen Tel Avivs spürbar ist und die wir bei den Menschen, denen wir begegnen, erleben. Wir sehen die Fähigkeit dieses Volkes schnell aus dem Nichts etwas aufzubauen (sie haben weltweit die 2 höchste Anzahl von Start Ups), ihre Genialität Lösungen für scheinbar Unlösbares zu finden, wie zum Beispiel mit Wasserentsalzungsanlagen am Mittelmeer den Wassermangel zu beheben und durch computergesteuerte Tröpfchenbewässerung Plantagen in der Wüste anzubauen. Wir sind überrascht, dass Israel die zweithöchste Akademikerquote und die dritthöchste Patentquote der Welt hat und bewundern, dass 23% aller Nobelpreisträger aus diesem kleinen Volk, dass nur 0,2 % der Weltbevölkerung ausmacht, stammen.

Wir erleben ihre Kreativität sowie ihren Sinn für Kunst und Schönheit. Israel hat gemessen an der Anzahl der Einwohner die meisten Museen und Orchester per capita und liegt auf Platz 2, was die Anzahl der verlegten Bücher anbelangt. Wer hier ein Konzert besucht, wird einem sehr hohen künstlerischen Niveau und großer Begeisterung des Publikums begegnen.

Wir streifen durch Städte, Orte, Landschaften und sind beeindruckt: unglaublich was hier in nur 70 Jahren geschaffen wurde. Dort wo sich früher Sümpfe, Sanddünen und wüstes Land befanden, haben Pioniergeist, Innovation und Durchhaltevermögen überall blühendes Leben entstehen lassen. Israel ist das einzige Land, in dem die Wüste rückläufig ist, Millionen Bäume wurden gepflanzt und entlang der Autobahn blüht tropfenbewässerter Oleander. Aus dem armen Agrarstaat ist ein Land mit führender Technologie und einer starken Währung entstanden. Israel gehört heute zu den 10 einflussreichsten Ländern der Welt und liegt auch im Happiness Ranking vorne. (Siehe Grafik unten)

Je mehr Israelis wir persönlich kennen lernen, desto mehr schätzen wir ihre konstruktive Einstellung, ihre Dynamik und ihren Mut – trotz ihres bis heute andauernden Ringens um ihr Recht auf Existenz.

Wir hören von den Kämpfen im 6 Tage Krieg 1967, von der Befreiung der Altstadt Jerusalems und wie die Juden wieder Zugang zu ihrer heute heiligsten Stätte, der Westmauer, erlangten.

Und von dem „Tal der Tränen“, so benannt nach der anfänglich auswegslosen Situation im Jom Kippur Krieg 1973, als die syrische Armee mit über 1.000 Panzern im Norden Israels einbrach und von weniger als 200 Panzern auf israelischer Seite aufgehalten wurde.

Wir sehen den Wiederaufbau nach wiederholter Zerstörung, sei es nun die Hurva Synagoge in Jerusalem oder die Siedlungen in Gush Etzion.

 

Und wir nehmen wahr, dass selbst die häufigen Terroranschläge in dieser Gegend den Menschen weder die Lebensfreude noch den Lebensmut rauben können, auch wenn sie schmerzliche Verluste zu beklagen haben.

Wir erleben die „Wächter Israels“, die jungen Soldaten und Soldatinnen auf den Straßen, die für Sicherheit sorgen und lauschen den Zeugnissen von sogenannten „einsamen“ Soldaten, die freiwillig ihr Heimatland, Verwandte, Freunde und ein angenehmes Leben verlassen, um in der IDF (Israels Defence Forces) zu dienen. Tatsächlich spielt die IDF auch eine wichtige Rolle bei der Integration und der Schaffung eines gemeinsamen Nenners in der israelischen Gesellschaft.

Denn die Bevölkerungsvielfalt ist erstaunlich. Die Holocaust Überlebenden von überall aus Europa, die ca. 700.000 Juden, die nach Israels Gründung aus den umliegenden arabischen Ländern vertrieben wurden, die Einwanderung aus Afrika und die großen Aliyah-Wellen aus der ehemaligen Sowjetunion haben alle dazu beigetragen. Die Bevölkerungszahl Israels hat sich in den letzten 75 Jahren ver-14-facht (im Vergleich dazu hat sich die Weltbevölkerung in den letzten 50 Jahren „nur“verdoppelt).

Am liebsten hören wir jedoch die Geschichten von jenen, die freiwillig nach Israel kamen, weil sie es als ihre Aufgaben betrachten, dieses Land aufzubauen und sich mit großer Energie dafür einsetzen.

Was uns aber am allermeisten beeindruckt – und tatsächlich auch überrascht hat - ist die intensive, innige und lebendige Beziehung, die viele Juden zu Gott haben. Da uns in den säkularen, kirchlichen und freikirchlichen Kreisen, aus denen wir stammen, die Rolle und Bedeutung von Israel und dem Judentum nicht vermittelt worden war, weder als geistliche Wurzel noch für die Zukunft, waren wir implizit davon ausgegangen, dass so eine Beziehung zu Gott nur bei Christen möglich sei. Jetzt sahen wir mit eigenen Augen wie falsch diese Annahme war.

Heute weiss ich, dank dem erschütterndem Buch „Holocaust“ von Susanna Kokkonen, dass der christliche Glaube bewusst vom Judentum differenziert wurde, seit Kaiser Konstantin der Große die Anerkennung des Christentums als rechtmässige Religion einführte, sich aus politischen Gründen zum Oberhaupt der Kirche ernannte und das erste Konzil im Jahre 325 einberief. Er erklärte, dass die Juden für den Tod Jesu verantwortlich wären, also betrachtete man sie als „Gottesmöder“; verdammt und der Gnade Gottes und der Menschen unwürdig. Eine weitere Lehre dieser Zeit, die „Ersatztheologie“ besagt, dass Israel seine Rolle in Gottes Plänen verspielt hätte und die Christen nun das neue Israel seien. Die Kirchenväter vor und nach diesem ersten Konzil verleugneten den ewigen Bund zwischen Gott und den Juden systematisch, beziehungsweise glaubten, dass Gott diesen Bund aufgehoben hätte.

Der Einfluss dieser Lehren die seit über 1700 Jahren im Umlauf sind, ist erschreckend tiefgreifend. Im Grunde wurde hier schon die Legitimation für Judenhass und Judenverfolgung geschaffen, für Verleugnung und Ignoranz. Hier liegt der idelogische Ursprung von Inquisition, Progromen, Kreuzzügen und Holocaust.

Eine Konsequenz daraus war, das einerseits bei Übersetzungen versucht wurde, die Hinweise auf das Judentum auszulassen und andererseits bei vielen christlichen Themen der jüdische Ursprung nicht erwähnt wurde. Beispiele dafür sind christliche Feste, die alle ihr Äquivalent in den jüdischen biblischen Festen haben (z.B. Passah-Ostern, Schavuot-Pfingsten, Weihnachten-Chanukka) oder auch andere Bräuche: so zum Beispiel ist die jüdische Bar Mitzwa, bei der junge Erwachsene in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen werden, das Vorbild für Kommunion/Konfirmation/Jugendweihe - um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Das gleiche spiegelt sich auch in der Kunst. Wer z. B. durch die Uffizien von Florenz streift, (eines der berühmtesten Kunstmuseen der Welt mit Werken der Malerie und Bildhauerei von der Antike bis zum Spätbarock), stellt fest, dass es aus dem Alten Testament Bilder von Adam und Eva gibt. Das nächste große Thema ist die Ankündigung von Jesu Geburt. Alles was dazwischen liegt, ist ausgeblendet.

So sind sich viele bis heute des jüdischen Erbes nicht bewusst. Derek Prince, ein Bibellehrer unserer Zeit (und die, die mich schon lange kennen, wissen, dass ich jahrelang für Derek Prince Ministries gearbeitet habe), fasste es einmal so zusammen: Wir stehen tief in der Schuld des jüdischen Volkes.
Ohne dieses hätte die Gemeinde keine Patriarchen, keine Propheten, keine Apostel , keine Bibel und keinen Erlöser. Wenn uns all das fehlen würde, was gäbe es dann noch, was uns das Heil bringen könnte? Alle Nationen der Erde verdanken das Wertvollste an ihrem geistlichen Erbe den Juden.

Aber obwohl wir Derek Prince persönlich begegnet waren und viel von unserem Israel-Bild von seinen Worten geprägt war, mussten wir feststellen, dass auch wir Gefangene des Denkens der Kirchenväter waren. Auch wir hatten gedacht, dass die Juden verloren sein mussten, da man ja nur durch Jesus zum Vater kommen könne und übersahen dabei geflissentlich, dass Paulus in Römer 11 eindeutig sagt, dass Gott sein Volk nicht verstossen hat (Vers 1), dass er seine Gaben nicht zurück fordert und die Zusage seiner Erwählung nicht widerruft (Vers 29).

Und jetzt waren wir in Jerusalem und begegneten dem jüdischen Volk Israel erstmalig in seinem eigenen Land.

Was für uns ganz eindeutig wurde, war, dass die Gründung und das Überleben dieses Staates, seine schnellen Fortschritte und Errungenschaften, der Lebensmut und die Kraft, die man in so vielen Menschen in Israel beobachten kann, rational und menschlich nicht zu erklären sind, sondern auf eine besondere Energiequelle und Kraft zurück führen. Hier in Israel war Gott überall im Alltag erlebbar.

Seit über 2000 Jahren spricht die Bibel von einem lebendigen Gott, der Israel als sein Volk auserwählte und der verhieß, dies Volk nach seiner Zerstreuung wieder in das Land seiner Vorfahren zurück zu bringen und es besonders auszustatten. Dies jedoch auf einmal mit unseren eigenen Sinnen zu sehen, zu beobachten, veränderte uns.

Als wir am Ufer vom See Genezareth sassen, kam mir der Gedanke, dass Juden vorgeworfen wurde, Jesus nicht erkannt zu haben – obwohl doch das, was um ihn herum geschah, offensichtlich und eindeutig war … Und dass heute viele Christen das, was Gott in und mit Israel tut, nicht erkennen – obwohl es ebenso offensichtlich und eindeutig ist.

Wir begannen die Bibel mit anderen Augen zu lesen. Was wir bis dahin überlesen hatten, stach jetzt deutlich hervor.

Wenn man sich vergegenwärtig, dass Jesus in Matthäus 5,17 selber gesagt hat „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen“, dann kann man die Bedeutung von Israel und Jerusalem schwer überlesen.

Denn auf dem Berge Zion und zu Jerusalem wird Errettung sein – steht in Joel 3,5

Und Sacharjia weissagt in Kapitel 8, 22: Menschen aus großen und mächtigen Völkern werden nach Jerusalem kommen, um den HERRN, den Allmächtigen, zu suchen und den HERRN gnädig zu stimmen.

Jesaja prophezeit in Kapitel 60, 2-3: Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir (Zion) geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.

Wir haben in Israel mit eigenen Augen wahrgenommen, wie Gott zu seinem Volk steht. Wir haben anhand von Fakten und Tatsachen gesehen, wie die Aussagen der Bibel Realität werden und wir haben überall im heutigen Israel Gottes in Erfüllung gehende Verheißungen erlebt.

 

Die Bibel spricht in Sacharja 8,23 davon, dass „in jenen Tagen zehn Menschen aus Völkern mit lauter verschiedenen Sprachen einen Mann aus Juda am Rockzipfel festhalten werden und bitten: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott bei euch ist“ - für uns sind diese Tage bereits angebrochen…die Beziehungen zu unseren jüdischen Freunden und die Verbindung zu Israel sind zu einer der wertvollsten Konstanten, einer Bereicherung und einer Quelle des Lernens in  unserem Leben geworden.

Davidstern grün
ELAL

„Bruchim haba'im le’Israel - Willkommen in Israel” klang die Stimme des Piloten aus den Lautsprechern und das Flugzeug rollte langsam zur finalen Position. Wir sahen neugierig aus dem Fenster. Was würden wir in diesem Land, über das so viel Widersprüchliches berichtet wird und dass es vor 100 Jahren noch nicht gab, vorfinden? Ich wusste damals nicht, vor welcher lebensverändernden Erfahrung ich stand!

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