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Altäre der Dankbarkeit

von Brigitte B. Nussbächer

Dies ist unsere aktuelle Geschichte, wie wir für Gott einen Altar aus Worten bauen und mit unserer Website für andere Menschen die Möglichkeit schaffen wollen, Israel besser kennen und lieben zu lernen.

Davidstern grün
Uniklinik Tübingen

Es war der 23. März 2023. Ich saß im Wartebereich der Universitätsklinik Tübingen. Um mich herum Menschen und Gemurmel, aber ich war blind und taub dafür. Gerade hatte man Harald, meinen Mann, den ich in die Klinik gebracht hatte, zum Eingriff abgeholt.

Und jetzt saß ich, drei Tage nach unserer Rückkehr aus Israel, in diesem Wartebereich und hatte mir vorgenommen, während der Zeit, in der Harald operiert wurde, zu versuchen einen Altar für Gott zu bauen! Und zwar aus Worten!

So saß ich inmitten all der Menschen mit dem Laptop auf den Knien und schrieb und schrieb … Daraus wurde der Artikel: Israel, eine aktuelle Reiseerfahrung – der Kaleb Bericht.

Nichtsdestotrotz hatten wir eine wunderbare, berührende Zeit hier erlebt. Damals stieg in mir der Wunsch auf, eine Gegenstimme inmitten all der bedrückenden Nachrichten zu sein (ein Kaleb, der das Potential des gelobten Landes wahrnahm, während die anderen Kundschafter nur Beängstigendes sahen), weil es eben trotz allem Negativem, Traurigen und Besorgniserregenden sehr viel Schönes, Bereicherndes und Inspirierendes gab. Wir hatten es gerade erlebt!

Schreibende Hände

Wann und warum baut man Altäre?

Wenn man die Tora (die Bücher Mose, Altes Testament) liest, fällt einem auf, dass nach einem markanten, einschneidenden Erlebnis mit Gott, jede der Hauptpersonen und Patriarchen einen Altar baute.

Altar aus Steinen

Noah, als er nach der Sintflut mit  der Arche wieder auf Land stiess (1 Mo 8,29), Abram nachdem Gott ihm gesagt hatte, dass er das Land seinen Nachkommen geben würde (1 Mo 12,7), Isaak nachdem Gott ihm versprochen hatte, ihn zu segnen und seine Nachkommen zu mehren (1 Mo 26,25), Jakob nachdem Gott sich ihm offenbart hatte (1 Mo 35,7) und Mose nach dem Sieg über die Amalekiter (2 Mo 17,15) und beim Bundesschluss am Sinai (2 Mo 24,4).

War es das Bedürfnis einen sichtbaren Meilenstein zu setzen, sozusagen ein Denkmal für besondere Begegnungen mit Gott? Sollte es ein Ehrenzeichen für Gott sein und/oder für das, was an dieser Stelle geschehen war? War es der Wunsch Dankbarkeit zu zeigen? Sollte damit anderen eine Botschaft übermittelt werden oder war es der Erbauer selbst, der sich immer wieder durch einen konkreten, greifbaren Beweis an diese besonderen Erlebnisse erinnern wollte?
Und schliesslich gab Gott selbst den Auftrag einen Altar zu bauen (2 Mo 20,24) und die Zusage: „an jedem Ort, wo ich meines Namens gedenken lasse, da will ich zu dir kommen und dich segnen“.

Was waren meine Beweggründe?  Zuallererst wollte ich ein Zeichen für mich und Gott setzen, dass ich entschlossen war, mich durch nichts, was geschah, von ihm trennen zu lassen. Aber ich wollte auch sichtbar machen, was für eine lebensverändernde Erfahrung es für mich gewesen war, Israel kennen zu lernen. Ich wollte danken für allen Segen, den ich in meinem Leben schon erlebt hatte und damit eine Erinnerung an diese Erfahrungen schaffen. Ich wollte für dunkle Zeiten eine Säule der Ermutigung errichten. Und ich wollte Gott damit bitten, uns weiter zu segnen, insbesondere jetzt, insbesondere Harald, der gerade auf dem Operationstisch lag.

Ich versuchte, mein ganzes Herz in meine Worte zu legen. Und jedes Wort war ein Dankeslied und eine flehende Bitte zugleich. Es heißt, man soll Gott das Wertvollste bringen, was man besitzt und Worte waren immer meine Stärke gewesen. In meiner Jugend hatte ich Literaturpreise gewonnen, bevor ich vom Schreiben absah, um mich scheinbar erfolgsversprechenderen Zukuftsperspektiven zuzuwenden. Deshalb wollte ich jetzt diesen Altar mit dem bauen, was ich im Unterbewusstsein immer noch als meine größte persönliche Begabung ansah: Worte.

Haralds Operation verlief komplikationslos und wunderbarerweise mit deutlich weniger Schmerzen im Nachgang als bei allen anderen. Es wurden seither noch weitere Tumore identifiziert (und entfernt), allerdings in einem sehr frühen Stadium, wofür wir sehr dankbar sind.

Nach Operation

Bis jetzt hatten wir unsere Eindrücke und Empfehlungen immer mündlich im kleinen Kreis an andere weiter gegeben. Jetzt entstand der Gedanke, dies alles in schriftlicher Form und in mindestens zwei Sprachen für alle Interessierten verfügbar zu machen. Denn es ist unser Herzenswunsch, auch für andere Menschen die Möglichkeit zu schaffen, dieses Land und dieses Volk kennen und lieben zu lernen.

Und dann?

Im Krankenhaus

Unsere Freunde Anat und Aviel Schneider, die die Nachrichtenagentur Israel Heute in Jerusalem leiten, veröffentlichten den Bericht und er wurde innerhalb von 48 Stunden der meist gelesene Artikel der Seite. Das Feedback, das ich erhielt, brachte mich auf den Gedanken, mehr über unsere Erfahrungen in und mit  Israel zu schreiben.

Israel Heute

Es war die 17. Operation seitdem er die Diagnose Malignes Melanom (bösartiger, schwarzer Hautkrebs) im Januar 2022 erhalten hatte und die größte und kritischste bislang. Als er ein Jahr später erfuhr, dass sich wieder zwei weitere Tumore auf der rechten Halsseite gebildet hatten, war es zunächst für uns beide niederschmetternd. Aber dann fassten wir den Entschluss, Gott zu vertrauen, dass alles, was auf uns zukam, einen verborgenen Segen in sich trug, den wir früher oder später erkennen würden und das Leben zu feiern, so lange uns dies möglich war.

Ein Fokus dieser Seite ist, die handverlesenen Orte vorzustellen, die uns während unserer Reisen über die Jahre am meisten beeindruckt und berührt haben und die dabei helfen, die Ereignisse in Israel besser einzuordnen und dem Wesen der Israelis näher zu kommen.

Wir gründeten einen gemeinnützigen Verein und begannen an einer eigenen Homepage zu arbeiten: ARC TO ISRAEL.

Ein zweiter Schwerpunkt ist, lebendiges Tiefenwissen über dies besondere Volk mit seiner einzigartigen Geschichte durch Bücher und Filme zu vermitteln.

Und der dritte Fokus ist, die wertvollsten persönlichen Erlebnisse von uns und unseren Nächsten mit Bezug zu Israel in Worten festzuhalten und in Artikeln verfügbar zu machen. Jeder einzelne ist ein kleiner Wort-Altar für sich.

Logo ARC TO ISRAEL
Israelfahne vor den Toten Meer

Diese Website ist ein Dank, für alles, was wir erlebt und kennen gelernt haben. Ein „Altar“, an dem wir weiter bauen. Und unser großes Anliegen ist, dass sie zu einer Quelle der Inspiration für andere wird.

 

In diesem Sinne herzlich willkommen bei: Arc to Israel!

Die erste Umsetzung dieser Gedanken war, spontan eine Reise nach Israel zu buchen. Wir wollten Gott „bei sich zu Hause“ (in dem Land, das er auserwählt hatte) erleben und wir wollten ihn an dem Ort suchen, von dem er gesagt hatte, dass seine Augen und sein Herz immer dort sein werden“ (1. Könige 9,3).

Wer die Medien in dieser Zeit verfolgt hat, weiß, dass Israel zu dem Zeitpunkt (wieder einmal) von einer Serie von schrecklichen Terroranschlägen erschüttert wurde und dass die unterschiedlichen Meinungen zur geplanten Justizreform, die insbesondere von den Gegnern der Reform in stürmischen Demonstrationen geäußert wurden, das israelische Volk auseinander riss.

Veröffentlichung: Dezember 2023

Copyright ©  Brigitte B. Nussbächer; Abdruck nur nach vorheriger Genehmigung

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Wie wir das Wunder Israel erlebt haben

von Brigitte B. Nussbächer

Wir haben in Israel mit eigenen Augen wahrgenommen, wie Gott zu seinem Volk steht. Wir haben anhand von Fakten und Tatsachen gesehen, wie die Aussagen der Bibel Realität werden und wir haben überall im heutigen Israel Gottes in Erfüllung gehende Verheißungen erlebt.​

Vorausgegangen war eine eher mühsame Entscheidungsfindung. Israel einmal zu besuchen gehörte zur „Allgemeinbildung“ von Christen. Trotzdem hatte es mich nicht hingezogen und die Berichte derer, die von Reisen aus Israel zurück kehrten, hatten wenig dazu beigetragen, es zu ändern. Wenn sie von den sogenannten „Heiligen“ Stätten berichteten, fragte ich mich immer, was es mir denn bringen würde, diese Ruinen oder Gedenkkirchen anzusehen. Viel mehr interessierte mich, was Gott heute in der Gegenwart erlebbar machte.

Letztlich war es dann tatsächlich auch ein anderer Gedanke, der den Anstoß zu dem Besuch gab. 2018 feierten mehrere nach dem 2. Weltkrieg gegründete Staaten ihr 70. Jubiläum – darunter auch Israel. Nachdem wir Dokumentarfilme über Indien und Pakistan zu dem Thema gesehen hatten, fragte ich mich, wie wohl Israel diese 70 Jahre genutzt hatte. Im Vergleich zu den anderen Staaten musste es ungleich schwerer gewesen sein, aus dem Nichts etwas aufzubauen.  Noch 1867 hatte Marc Twain das Land als desolat, eine stille, traurige Weite ohne Mensch, Baum und Strauch bezeichnet. Was war daraus geworden?

Und so begaben wir uns auf eine geschichtliche Studienreise, was sich im Nachhinein als Volltreffer erwies. Nie hätten wir in einem Individualurlaub so viel erfahren und kennen gelernt.

Noch während wir vom Flughafen Ben Gurion nach Tel Aviv fahren, hören wir die Entstehungsgechichte dieser Stadt, von der Parzellverlosung an ein paar Dutzend Familien nördlich der jahrtausende alten Hafenstadt Jaffa im April 1909. Diese wollten auf den Sanddünen, die der niederländische Bankier Jacobus Kann gekauft hatte, die erste jüdische Stadt der Moderne bauen. Und dann fahren wir auch schon an den ersten Hochhäusern vorbei und nach Tel Aviv hinein, welches heute (rund 100 Jahre später) die modernste und weltoffenste Metropole des gesamten Nahen Ostens ist.


Im sehr originell und lebendig gestalteten Palmach Museum in Tel Aviv erfahren wir von dem beeindruckenden Kampf des jüdischen Volkes für seine Unabhängigkeit. Und von der Vorgeschichte: als die UN 1947 beschloss, das ehemalige britische Mandat in 2 Länder aufzuteilen: ein jüdisches und einen arabisches. Von dem Protest der Araber und von dem Druck, der auf die Juden ausgeübt wurde, diese Chance nicht zu nutzen. Von der Proklamation des jüdischen Staates durch David Ben Gurion am 14. Mai 1948 und von dem Angriff der 5 arabischen Länder Ägypten, Syrien, Jordanien, Irak & Libanon um Mitternacht am gleichen Tag.

Man muss sich die damalige Situation vergegenwärtigen. Ca. 650.000 Juden, viele von ihnen Holocaustüberlebende, die gerade erst das Grauen hinter sich gelassen hatten, versuchten Israel, welches als neugegründeter Staat keine Armee besaß, mit Gewehren, Maschinenpistolen und Granatwerfern gegen eine Mehrheit von 160 Millionen Arabern (ausgerüstet mit Panzern, Artillerie, Schützenpanzerwagen, Flugzeugen und Kriegsschiffen) zu verteidigen. Ein Verhältnis von 1 : 246!  Dabei wird einem die menschliche Ausweglosigkeit bewusst und dass das Überleben Israels ein Wunder ist.  Mit Tränen in den Augen verlasse ich das Museum. Jetzt verstehen wir, welch hohen Preis das jüdische Volk (nach der Auslöschung der 6 Millionen durch den Holocaust)  im Unabhängigkeitskrieg für seine Existenz bezahlt hat.

Umso mehr staunen wir über die Lebensfreude und Energie, die heute auf den Strassen Tel Avivs spürbar ist und die wir bei den Menschen, denen wir begegnen, erleben. Wir sehen die Fähigkeit dieses Volkes schnell aus dem Nichts etwas aufzubauen (sie haben weltweit die 2 höchste Anzahl von Start Ups), ihre Genialität Lösungen für scheinbar Unlösbares zu finden, wie zum Beispiel mit Wasserentsalzungsanlagen am Mittelmeer den Wassermangel zu beheben und durch computergesteuerte Tröpfchenbewässerung Plantagen in der Wüste anzubauen. Wir sind überrascht, dass Israel die zweithöchste Akademikerquote und die dritthöchste Patentquote der Welt hat und bewundern, dass 23% aller Nobelpreisträger aus diesem kleinen Volk, dass nur 0,2 % der Weltbevölkerung ausmacht, stammen.

Wir erleben ihre Kreativität sowie ihren Sinn für Kunst und Schönheit. Israel hat gemessen an der Anzahl der Einwohner die meisten Museen und Orchester per capita und liegt auf Platz 2, was die Anzahl der verlegten Bücher anbelangt. Wer hier ein Konzert besucht, wird einem sehr hohen künstlerischen Niveau und großer Begeisterung des Publikums begegnen.

Wir streifen durch Städte, Orte, Landschaften und sind beeindruckt: unglaublich was hier in nur 70 Jahren geschaffen wurde. Dort wo sich früher Sümpfe, Sanddünen und wüstes Land befanden, haben Pioniergeist, Innovation und Durchhaltevermögen überall blühendes Leben entstehen lassen. Israel ist das einzige Land, in dem die Wüste rückläufig ist, Millionen Bäume wurden gepflanzt und entlang der Autobahn blüht tropfenbewässerter Oleander. Aus dem armen Agrarstaat ist ein Land mit führender Technologie und einer starken Währung entstanden. Israel gehört heute zu den 10 einflussreichsten Ländern der Welt und liegt auch im Happiness Ranking vorne. (Siehe Grafik unten)

Je mehr Israelis wir persönlich kennen lernen, desto mehr schätzen wir ihre konstruktive Einstellung, ihre Dynamik und ihren Mut – trotz ihres bis heute andauernden Ringens um ihr Recht auf Existenz.

Wir hören von den Kämpfen im 6 Tage Krieg 1967, von der Befreiung der Altstadt Jerusalems und wie die Juden wieder Zugang zu ihrer heute heiligsten Stätte, der Westmauer, erlangten.

Und von dem „Tal der Tränen“, so benannt nach der anfänglich auswegslosen Situation im Jom Kippur Krieg 1973, als die syrische Armee mit über 1.000 Panzern im Norden Israels einbrach und von weniger als 200 Panzern auf israelischer Seite aufgehalten wurde.

Wir sehen den Wiederaufbau nach wiederholter Zerstörung, sei es nun die Hurva Synagoge in Jerusalem oder die Siedlungen in Gush Etzion.

 

Und wir nehmen wahr, dass selbst die häufigen Terroranschläge in dieser Gegend den Menschen weder die Lebensfreude noch den Lebensmut rauben können, auch wenn sie schmerzliche Verluste zu beklagen haben.

Wir erleben die „Wächter Israels“, die jungen Soldaten und Soldatinnen auf den Straßen, die für Sicherheit sorgen und lauschen den Zeugnissen von sogenannten „einsamen“ Soldaten, die freiwillig ihr Heimatland, Verwandte, Freunde und ein angenehmes Leben verlassen, um in der IDF (Israels Defence Forces) zu dienen. Tatsächlich spielt die IDF auch eine wichtige Rolle bei der Integration und der Schaffung eines gemeinsamen Nenners in der israelischen Gesellschaft.

Denn die Bevölkerungsvielfalt ist erstaunlich. Die Holocaust Überlebenden von überall aus Europa, die ca. 700.000 Juden, die nach Israels Gründung aus den umliegenden arabischen Ländern vertrieben wurden, die Einwanderung aus Afrika und die großen Aliyah-Wellen aus der ehemaligen Sowjetunion haben alle dazu beigetragen. Die Bevölkerungszahl Israels hat sich in den letzten 75 Jahren ver-14-facht (im Vergleich dazu hat sich die Weltbevölkerung in den letzten 50 Jahren „nur“verdoppelt).

Am liebsten hören wir jedoch die Geschichten von jenen, die freiwillig nach Israel kamen, weil sie es als ihre Aufgaben betrachten, dieses Land aufzubauen und sich mit großer Energie dafür einsetzen.

Was uns aber am allermeisten beeindruckt – und tatsächlich auch überrascht hat - ist die intensive, innige und lebendige Beziehung, die viele Juden zu Gott haben. Da uns in den säkularen, kirchlichen und freikirchlichen Kreisen, aus denen wir stammen, die Rolle und Bedeutung von Israel und dem Judentum nicht vermittelt worden war, weder als geistliche Wurzel noch für die Zukunft, waren wir implizit davon ausgegangen, dass so eine Beziehung zu Gott nur bei Christen möglich sei. Jetzt sahen wir mit eigenen Augen wie falsch diese Annahme war.

Heute weiss ich, dank dem erschütterndem Buch „Holocaust“ von Susanna Kokkonen, dass der christliche Glaube bewusst vom Judentum differenziert wurde, seit Kaiser Konstantin der Große die Anerkennung des Christentums als rechtmässige Religion einführte, sich aus politischen Gründen zum Oberhaupt der Kirche ernannte und das erste Konzil im Jahre 325 einberief. Er erklärte, dass die Juden für den Tod Jesu verantwortlich wären, also betrachtete man sie als „Gottesmöder“; verdammt und der Gnade Gottes und der Menschen unwürdig. Eine weitere Lehre dieser Zeit, die „Ersatztheologie“ besagt, dass Israel seine Rolle in Gottes Plänen verspielt hätte und die Christen nun das neue Israel seien. Die Kirchenväter vor und nach diesem ersten Konzil verleugneten den ewigen Bund zwischen Gott und den Juden systematisch, beziehungsweise glaubten, dass Gott diesen Bund aufgehoben hätte.

Der Einfluss dieser Lehren die seit über 1700 Jahren im Umlauf sind, ist erschreckend tiefgreifend. Im Grunde wurde hier schon die Legitimation für Judenhass und Judenverfolgung geschaffen, für Verleugnung und Ignoranz. Hier liegt der idelogische Ursprung von Inquisition, Progromen, Kreuzzügen und Holocaust.

Eine Konsequenz daraus war, das einerseits bei Übersetzungen versucht wurde, die Hinweise auf das Judentum auszulassen und andererseits bei vielen christlichen Themen der jüdische Ursprung nicht erwähnt wurde. Beispiele dafür sind christliche Feste, die alle ihr Äquivalent in den jüdischen biblischen Festen haben (z.B. Passah-Ostern, Schavuot-Pfingsten, Weihnachten-Chanukka) oder auch andere Bräuche: so zum Beispiel ist die jüdische Bar Mitzwa, bei der junge Erwachsene in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen werden, das Vorbild für Kommunion/Konfirmation/Jugendweihe - um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Das gleiche spiegelt sich auch in der Kunst. Wer z. B. durch die Uffizien von Florenz streift, (eines der berühmtesten Kunstmuseen der Welt mit Werken der Malerie und Bildhauerei von der Antike bis zum Spätbarock), stellt fest, dass es aus dem Alten Testament Bilder von Adam und Eva gibt. Das nächste große Thema ist die Ankündigung von Jesu Geburt. Alles was dazwischen liegt, ist ausgeblendet.

So sind sich viele bis heute des jüdischen Erbes nicht bewusst. Derek Prince, ein Bibellehrer unserer Zeit (und die, die mich schon lange kennen, wissen, dass ich jahrelang für Derek Prince Ministries gearbeitet habe), fasste es einmal so zusammen: Wir stehen tief in der Schuld des jüdischen Volkes.
Ohne dieses hätte die Gemeinde keine Patriarchen, keine Propheten, keine Apostel , keine Bibel und keinen Erlöser. Wenn uns all das fehlen würde, was gäbe es dann noch, was uns das Heil bringen könnte? Alle Nationen der Erde verdanken das Wertvollste an ihrem geistlichen Erbe den Juden.

Aber obwohl wir Derek Prince persönlich begegnet waren und viel von unserem Israel-Bild von seinen Worten geprägt war, mussten wir feststellen, dass auch wir Gefangene des Denkens der Kirchenväter waren. Auch wir hatten gedacht, dass die Juden verloren sein mussten, da man ja nur durch Jesus zum Vater kommen könne und übersahen dabei geflissentlich, dass Paulus in Römer 11 eindeutig sagt, dass Gott sein Volk nicht verstossen hat (Vers 1), dass er seine Gaben nicht zurück fordert und die Zusage seiner Erwählung nicht widerruft (Vers 29).

Und jetzt waren wir in Jerusalem und begegneten dem jüdischen Volk Israel erstmalig in seinem eigenen Land.

Was für uns ganz eindeutig wurde, war, dass die Gründung und das Überleben dieses Staates, seine schnellen Fortschritte und Errungenschaften, der Lebensmut und die Kraft, die man in so vielen Menschen in Israel beobachten kann, rational und menschlich nicht zu erklären sind, sondern auf eine besondere Energiequelle und Kraft zurück führen. Hier in Israel war Gott überall im Alltag erlebbar.

Seit über 2000 Jahren spricht die Bibel von einem lebendigen Gott, der Israel als sein Volk auserwählte und der verhieß, dies Volk nach seiner Zerstreuung wieder in das Land seiner Vorfahren zurück zu bringen und es besonders auszustatten. Dies jedoch auf einmal mit unseren eigenen Sinnen zu sehen, zu beobachten, veränderte uns.

Als wir am Ufer vom See Genezareth sassen, kam mir der Gedanke, dass Juden vorgeworfen wurde, Jesus nicht erkannt zu haben – obwohl doch das, was um ihn herum geschah, offensichtlich und eindeutig war … Und dass heute viele Christen das, was Gott in und mit Israel tut, nicht erkennen – obwohl es ebenso offensichtlich und eindeutig ist.

Wir begannen die Bibel mit anderen Augen zu lesen. Was wir bis dahin überlesen hatten, stach jetzt deutlich hervor.

Wenn man sich vergegenwärtig, dass Jesus in Matthäus 5,17 selber gesagt hat „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen“, dann kann man die Bedeutung von Israel und Jerusalem schwer überlesen.

Denn auf dem Berge Zion und zu Jerusalem wird Errettung sein – steht in Joel 3,5

Und Sacharjia weissagt in Kapitel 8, 22: Menschen aus großen und mächtigen Völkern werden nach Jerusalem kommen, um den HERRN, den Allmächtigen, zu suchen und den HERRN gnädig zu stimmen.

Jesaja prophezeit in Kapitel 60, 2-3: Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir (Zion) geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.

Wir haben in Israel mit eigenen Augen wahrgenommen, wie Gott zu seinem Volk steht. Wir haben anhand von Fakten und Tatsachen gesehen, wie die Aussagen der Bibel Realität werden und wir haben überall im heutigen Israel Gottes in Erfüllung gehende Verheißungen erlebt.

 

Die Bibel spricht in Sacharja 8,23 davon, dass „in jenen Tagen zehn Menschen aus Völkern mit lauter verschiedenen Sprachen einen Mann aus Juda am Rockzipfel festhalten werden und bitten: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott bei euch ist“ - für uns sind diese Tage bereits angebrochen…die Beziehungen zu unseren jüdischen Freunden und die Verbindung zu Israel sind zu einer der wertvollsten Konstanten, einer Bereicherung und einer Quelle des Lernens in  unserem Leben geworden.

Davidstern grün
ELAL

„Bruchim haba'im le’Israel - Willkommen in Israel” klang die Stimme des Piloten aus den Lautsprechern und das Flugzeug rollte langsam zur finalen Position. Wir sahen neugierig aus dem Fenster. Was würden wir in diesem Land, über das so viel Widersprüchliches berichtet wird und dass es vor 100 Jahren noch nicht gab, vorfinden? Ich wusste damals nicht, vor welcher lebensverändernden Erfahrung ich stand!

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