
Leipzig zeigt sich zwischen kultureller Blüte, dunkler Vergangenheit und mit einer wiedererstarkten jüdischen Gemeinschaft.
Mitten im Trubel der Buchmesse wird Geschichte greifbar – und Gegenwart herausgefordert. Historische Hintergründe aus Deutschland und Israel, individuelle Schicksale und Entwicklungen rund um Israel – bis hin zum aktuellen Irankrieg werden lebendig.
Es bleibt eine Jahrtausende alte Hoffnung und eine Stimme, die nicht schweigt.
Am 19. März 2026 ist es so weit: wir steigen in den Zug nach Leipzig, damit ich am Folgetag einen Vortrag bei der Buchmesse halte und mein Buch „Israels Zerreißprobe – Die Schicksalsjahre um den 7. Oktober 2023“ vorstelle. Wir kennen Leipzig bislang nur als eine Stadt mit wunderschöner Architektur und beeindruckender musikalischer Tradition. Jetzt lernen wir neue Dimensionen kennen: Leipzig als historisches Zentrum des Buchdrucks und -handels, Leipzig als einer der ältesten Messestandorte der Welt (seit 1190) und Leipzig als Heimat einer der wichtigsten und pulsierenden jüdischen Gemeinde Deutschlands mit 700 Jähriger Geschichte.
Wir wohnen in einem Hotel im ehemaligen jüdischen Stadtteil, nur drei Gehminuten von der Synagoge entfernt, das während des Nationalsozialismus ein Zufluchtsort für jüdische Bürger wurde. Am ersten Vormittag streifen wir durch das Waldstraßen-Viertel.

Straßenzug im jüdischen Viertel. Foto privat
Hier lebten in den 1920er Jahren tausende jüdische Gemeindemitglieder, die als Geschäftsleute, Handwerker, Angestellte, Ärzte und Anwälte Wissenschaft, Kultur und Handel der Stadt maßgeblich prägten. Während dieser Zeit initiierte die jüdische Gemeinde 48 Wohltätigkeitsorganisationen und gründete auch ein Krankenhaus sowie ein Altersheim.
Während der Schoa wurde die jüdische Gemeinde Leipzigs nahezu vollständig zerstört. Vor den Deportationen, die ab 1942 begannen, wurden viele Menschen in sogenannte „Judenhäuser“ gepfercht und zur Zwangsarbeit in die Außenlager von Buchenwald gebracht. Eines der berüchtigtsten war Leipzig-Thekla (im Nordosten der Stadt), in dem Häftlinge für die Rüstungsindustrie arbeiteten, von denen viele im April 1945 in einer verschlossenen Halle verbrannt wurden. Doch auch die lokalen Unternehmen in Leipzig wurden Teil des NS-Zwangsarbeitssystems, und profitierten von Arbeitskräften aus dem KZ.
Heute erinnern Stolpersteine und ein paar Schilder an die dunkle Vergangenheit.

Stolpersteine. Foto privat
Es schmerzt und macht wieder einmal neu betroffen, das alles zu wissen und die konkreten Spuren zu sehen. Seit meinem Vortrag zum Internationalen Holocaust Gedenktag 2026 und insbesondere dem Lesen von zig Büchern als Vorbereitung dazu, habe ich ein ganz neues Verständnis für diese furchtbare Zeit, die auch in der Leipziger Geschichte tiefe Narben hinterlassen hat, die repräsentativ für den gesamten europäischen Kontinent und für alle von Deutschland besetzten Länder sind.
Doch die Vernichtung war nicht das letzte Kapital in der jüdischen Geschichte dieser Stadt. Nach der "Friedlichen Revolution" und der Wiedervereinigung begann ein neues Erwachen des jüdischen Lebens in Leipzig zur erneut größten Gemeinde Sachsens und Ostdeutschlands mit mehr als 1300 Mitgliedern. In der Synagoge werden heute wieder Gottesdienste gehalten, auch das kulturelle Leben ist neu erwacht.

Synagoge Leipzig. Foto privat
Und 1998 wurde hier die TOS Leipzig gegründet, die sich, wie alle TOS-Gemeinden, ihres geistlichen jüdischen Erbes bewusst ist und sich wie keine andere, uns bekannte Gemeinde, eindeutig an die Seite von Juden und Israel stellt. Sie betreibt auch das koschere Café HaMakon mit einer Ausstellung zur NS-Zeit und trägt mit ihrer Arbeit zur Aufarbeitung der Vergangenheit bei. Durch die „Märsche des Lebens“ wird Begegnung und Versöhnung zwischen Nachkommen von Tätern und Opfern gefördert und ein klares Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt.

Die Ausstellung
In dieser Gemeinde findet heute Abend ein Seminar mit dem Titel „Die Decke des Schweigens“ statt, in dem es um „Verstrickungen in den Nationalsozialismus“ und „Transgenerationale Übertragungen“ geht. Denn viele leben mit den traumatischen Lasten ihrer Vorfahren, ohne sich über die Auswirkungen auf das eigene Leben bewusst zu sein. Bei diesem Seminar sind die Teilnehmer eingeladen, den Ursachen auf den Grund zu gehen und persönliche Wiederherstellung zu erleben.
Und hier werde ich heute Abend im Rahmen dieses Seminars auch mein Buch vorstellen, das unter dem gleichen Motto steht wie die Märsche des Lebens „Um Zions willen, will ich nicht schweigen“.
Doch davor sind wir auf der Buchmesse, dem ursprünglichen Anlass unserer Reise. Es ist eine neue Erfahrung und noch nie habe ich so wenig zum Erfolg eines Events beitragen können. Auf einer anonymen Bühne finden im halben Stundentakt Buchpräsentationen und Lesungen statt, der Wechsel folgt innerhalb einer Minute, es gibt keine Gestaltungsmöglichkeiten. Rund 70 Stühle sind aufgestellt und alles findet inmitten eines extremen Lärmpegels statt, weil direkt daneben die nächsten Bühnen sind.
Und doch ist es etwas Besonderes, gerade hier (ohne Bodyguards oder Polizeischutz) eine Menora aufzustellen, einen Davidstern zu tragen und eine Stimme für Israel zu sein – in einer Zeit, in der die Kritik an Israel immer lauter wird und die Die Linke Niedersachsens auf ihrem Landesparteitag gerade erst mit großer Mehrheit beschlossen hat, dass sie den „heute real existierenden Zionismus“ ablehnt.

Lesung auf der Buchmesse. Foto privat
Ich berichte über die Wunder, die seit der Gründung Israels in dem Land Gestalt angenommen haben, erzähle im Zeitraffer die Geschichte der letzten 100 Jahre, erkläre, was den aktuellen Iran-Krieg mit dem 7. Oktober verbindet und was an jenem Tag wirklich geschah. Es sind Blicke hinter die Schlagzeilen der herkömmlichen Medien, die die Verbindung des Mullah Regimes zu den Terrororganisationen rund um Israel aufdecken, den Export der islamischen Revolution durch die iranischen Revolutionsgarden sichtbar machen und das finale Ziel: die globale Vormachtstellung des Islam benennen.
Aber ich nehme die Zuhörer auch mit nach Israel und schildere persönliche Eindrücke und bewegende Geschichten aus einer der schwersten Zeiten des Landes.
Ich beende meine Ansprache mit den Worten:
„Ich möchte mit einer uralten und doch sehr aktuellen Frage abschließen: Die globale Situation ist unberechenbar; Israel und der gesamte Erdball stehen vor existenziellen Fragen. Was gibt Orientierung und Halt in so einer Zeit? Was steht hinter der - trotz Traumata - ungebrochenen Hoffnung des israelischen Volkes, was gibt ihm die Fähigkeit inmitten von Leid und Ausweglosigkeit die Zuversicht zu haben, aus Trümmern und Asche etwas Neues, Wunderbares aufzubauen?
Es ist das Vertrauen auf einen Bund, und auf denjenigen, mit dem er geschlossen wurde. Nur durch diesen lässt sich das Wunder der Neugründung Israels 2000 Jahre nach seiner Zerstörung und ausgerechnet nach dem Holocaust erklären, nur durch diesen die Tatsache, dass das kleine Israel sich in den vergangenen 78 Jahren trotz mehrerer Vielfrontenkriege und trotz einer hoffnungslos erscheinenden, zahlenmäßigen Unterlegenheit behaupten konnte.
Die Zusage dieses Bundes ist Jahrtausende alt und in dem Schriftstück festgehalten, dass das meistgelesene Buch dieser Welt ist. Dieses Buch, die Bibel, war einst auch das Fundament des westlichen Abendlandes – und ist es teilweise immer noch. Wer mag, kann es gerne als veraltet abtun, aber der Inhalt bleibt hochaktuell. In diesem Dokument ist das Existenzrecht Israels verankert und wer mit offenen Augen und Herzen nach Israel geht, wird anhand von Fakten und Tatsachen sehen, wie viele Aussagen aus Gottes Wort Realität geworden sind. Am Israel Chai!"
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Erstveröffentlichung: 27. März 2026
Copyright © Brigitte Chaya Nussbächer; Abdruck nur nach vorheriger Genehmigung
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Rathaus Leipzig. Foto Privat


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Das Cafe HaMakon. Fotos TOS Leipzig

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